In einem fernen Land

Pressekonferenzen sind immer ein besonderes Ereignis. Man muss auf jede noch so absurde Frage vorbereitet sein und weiß nie, ob die Technik bei der Präsentation nicht an ungünstigster Stelle streikt. Wenn das ganze auch noch in Moskau stattfindet, hat es einen besonderen Reiz. Fremde Sprache, fremde Stadt, fremde Kultur. Wie sind die Journalisten in Russland so drauf? Sind Journalisten hier überhaupt erlaubt? Mein erster Ausflug in die Ostmetropole startet erst einmal langsam. Ganze vier Stunden dauert die Autofahrt vom Flughafen zum Hotel. Nun mag man denken, dass der Flughafen besonders weit draußen liegt, aber weit gefehlt. 20 km sind es. 

Das mag einen ersten Einblick in die total absurde Verkehrssituation Moskaus geben, neben der selbst ein Autotrip durch Paris wie eine Überlandfahrt anmutet. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass ich von den zweieinhalb Tagen mindestens 60% der Zeit im Auto gesessen habe. Fussgänger sind in Moskau dann auch bei weiten Strecken definitiv schneller unterwegs – falls sie heile durch das Chaos auf den Straßen kommen. 



Die Pressekonferenz ist für vier Stunden angesetzt. Vier Stunden?! Russische Journalisten scheinen Zeit zu haben – viel Zeit. Geduldig und interessiert lauschen sie unserer Präsentation. Die Simultanübersetzung führt dazu, dass jeder Vortrag gleich doppelt so lange dauert. Was kein Nachteil sein muss: So kann ich mir jeden Satz noch einmal genau überlegen, bevor ich ihn auf die versammelten Schreiberlinge loslasse. Die vier Stunden vergehen wie im Flug. Die Magazinredakteure sind begeistert von Video deluxe. Viele Nachfrage, viele Antworten. Zufriedene Gesichter. Kaum eine halbe Woche später erscheinen die ersten Testberichte. Ausnahmslos positiv. Das Dauersitzen im Auto hat sich gelohnt. 



Jetzt noch ein bißchen Sightseeing: Kreml, Roter Platz und eine Matruschka-Figur als Souvenir. Bis auf die Matruschka-Puppe enttäuschen mich die anderen beiden „Highlights“ auf ganzer Linie. Der Rote Platz ist einfach nur ein großer Platz mit nichts drauf und seltsamen Markierungen. Und rot ist die weitläufige Einöde schon gar nicht. Ich habe gehört, dass das russische Wort für „rot“ auch „schön“ bedeutet. Vielleicht liegt es am Regen, vielleicht mag meine Definition von „schön“ aber auch mit der russischen Volksseele nur ebenso wenig kompatibel sein wie deren Vorliebe für die allgegenwärtigen Farbtöne Grau, Braun und Gold. Man muss die Stadt halt mögen, Gefallen an dem postsozialistischen Stadtbild finden und mit dem rauen, oft unfreundlichen Ton im Dienstleistungsbereich zurechtkommen. Heimweh kommt da schnell auf, obwohl: Ein bißchen ist es ja dann doch wie hier zuhause in Berlin.

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